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Digital Independence Day: Wenn der Knopf bei jemand anderem liegt

1. Juli 2026|8 Min. Lesezeit

Der Chefankläger des Weltstrafgerichts wurde 2025 von seinem Microsoft-Konto getrennt. Diese Woche steigen die Microsoft-365-Preise. Beides ist dasselbe Muster. Was dagegen hilft, App für App.

Im Februar 2025 verlor Karim Khan, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, den Zugang zu seinem E-Mail-Konto. Nicht wegen eines Hacks. Wegen einer US-Sanktion. Der Gerichtshof hatte Haftbefehle gegen Benjamin Netanjahu und seinen Ex-Verteidigungsminister erlassen, woraufhin US-Präsident Trump Khan per Dekret sanktionierte. Sein Microsoft-Konto wurde stillgelegt, und er wechselte zum Schweizer Anbieter Proton. Microsoft-Präsident Brad Smith bestreitet bis heute, Dienste eingestellt zu haben, und nennt den Vorgang eine «Trennung».

Halten wir fest, was hier passiert ist: Der oberste Ankläger eines Weltgerichts wurde aus seinen eigenen Systemen ausgesperrt, weil ein anderer Staat es so wollte. Wenn das einer Institution mit Völkerrechtsmandat passieren kann, ist die Frage für Ihr KMU nicht, ob dieser Knopf existiert, sondern nur, wer ihn drückt und wann.

Die These: Abhängigkeit ist das Produkt

Das klingt nach Verschwörung, ist aber simple Geschäftslogik, und sie läuft in drei Schritten ab.

Schritt eins, anfüttern: Der Einstieg ist billig und bequem. Ab 6 Dollar pro Nutzer und Monat für Microsoft 365 Business Basic, alles aus einer Hand, ein Login, funktioniert sofort. Niemand denkt beim Start an den Ausstieg.

Schritt zwei, verflechten: Mit der Zeit hängt alles an allem. Word speichert nach OneDrive, OneDrive braucht das Konto, das Konto öffnet Teams, Teams hängt an Entra ID. Ihre Identitätsverwaltung, Ihre Dateien und Ihre Kommunikation werden zu einem einzigen Knäuel. Jede Verbindung ist für sich praktisch. Zusammen sind sie eine Kette, die Sie nicht mehr durchschneiden können, ohne den Betrieb anzuhalten.

Schritt drei, anziehen: Sobald Sie nicht mehr wegkönnen, wird die Schraube angezogen. Zwei Beispiele aus den letzten Monaten.

Am 1. Juli 2026, also in dieser Woche, erhöht Microsoft die Preise für die Geschäfts-Abos. Office 365 E3 steigt um 13 Prozent, von 23 auf 26 Dollar pro Nutzer und Monat. Es ist die erste Erhöhung der Office-Bundles seit 2011, begründet mit über tausend neuen Funktionen und KI. Bei rund 446 Millionen zahlenden Postfächern bringt allein diese Anpassung Microsoft schätzungsweise 10,7 Milliarden Dollar zusätzlich. Wer monatlich statt jährlich zahlt, zahlt ohnehin dauerhaft rund 20 Prozent mehr.

Als Windows 10 am 14. Oktober 2025 das Support-Ende erreichte, liefen weltweit noch über 40 Prozent aller Desktops darauf, bei Unternehmen sogar fast 60 Prozent. Diese Geräte waren nicht kaputt, sondern wurden per Kalenderdatum zum Sicherheitsrisiko erklärt. Wer mehr Zeit braucht, zahlt für die Sicherheitsupdates: 61 Dollar pro Gerät im ersten Jahr, ein Betrag, der sich jedes weitere Jahr verdoppelt. Sie zahlen also dafür, dass funktionierende Hardware nicht abgeschaltet wird. Selbst die «kostenlose» Variante für Privatleute verlangt ein Microsoft-Konto und Cloud-Sync, also noch mehr Bindung.

Das ist das Muster: anfüttern, verflechten, anziehen. Khans abgeschaltetes Konto und Ihre steigende Rechnung sind nicht zwei Geschichten, sondern eine.

Die Landkarte: App für App

Die gute Nachricht: Für jedes Glied dieser Kette gibt es heute eine souveräne Alternative. Vor fünf Jahren stimmte das nicht. Heute schon.

Windows weicht einer Linux-Distribution wie Fedora oder Linux Mint, für Office-Arbeitsplätze problemlos, sofern Sie Spezialsoftware vorher prüfen. Word, Excel und PowerPoint ersetzt Collabora Online oder LibreOffice, wobei Dateien im .docx- und .xlsx-Format kompatibel bleiben und nur komplexe Makros die Ausnahme sind. An die Stelle von OneDrive und SharePoint tritt Nextcloud, sofort einsatzbereit samt Sync-Client und Freigaben. Den Teams-Chat übernimmt Matrix mit Element, voll föderiert und Ende-zu-Ende-verschlüsselt; Calls und Meetings laufen über Jitsi oder Element Call direkt im Browser, ohne Installation. Entra ID beziehungsweise Azure AD wird durch Keycloak ersetzt, ein Login für alles über das Standardprotokoll OIDC. Outlook-Aufgaben und Planner deckt Plane ab, Terminbuchungen unter eigener Domain übernimmt Cal.com, und Passwörter verwaltet das selbst gehostete, Bitwarden-kompatible Vaultwarden.

Das ist nicht theoretisch. Genau diesen Weg ist der Internationale Strafgerichtshof nach dem Khan-Vorfall gegangen: weg von Microsoft, hin zu openDesk, einer Open-Source-Suite aus einer deutschen Souveränitäts-Initiative, die bereits breit im deutschen öffentlichen Sektor eingesetzt wird. Wenn ein Gerichtshof das stemmt, ist es für ein KMU keine Raketenwissenschaft.

Wo der Haken liegt, und das sagt Ihnen sonst keiner

Jede dieser Alternativen ist für sich reif. Trotzdem gilt: Eine App ist noch keine Plattform.

Wer «mal eben Nextcloud aufsetzt», hat danach einen Datenspeicher. Aber keine Benutzerverwaltung, kein zentrales Login, keine Verschlüsselung zwischen den Diensten, keine Backups, kein Monitoring, und keine Antwort auf die Frage, was um drei Uhr nachts passiert, wenn die Kiste umfällt. Genau an dieser Lücke scheitern Eigenbau-Projekte. Nicht an der einzelnen App, sondern am Zusammenspiel.

openDesk löst das politische Problem, nicht das praktische. Es beweist, dass eine vollständige Microsoft-Alternative existiert und im Staatsbetrieb läuft. Aber openDesk gibt Ihnen den Werkzeugkasten. Betreiben, härten und absichern müssen Sie ihn selbst, und genau da liegt für ein KMU der Berg Arbeit.

Was wir anders machen

Bei MilesGuard betreiben wir genau diese Werkzeuge als ein zusammenhängendes System auf Schweizer und EU-Infrastruktur. Nicht als Sammlung von Einzelinstallationen, die irgendwie nebeneinander laufen, sondern verbunden, mit einem Login und verschlüsselt untereinander.

Und weil wir aus der Sicherheit kommen und keine Verkäufer sind, trauen wir einer Plattform erst, wenn wir sie selbst unter Last gesetzt und gezielt zum Versagen gebracht haben. Wir wollen die Bruchstelle kennen, bevor sie ein Angreifer findet. Was bei uns in den Betrieb geht, hat diese Tests hinter sich.

Konkret heisst das: ein Login für alles. Einmal anmelden, dann Dateien, Chat, Calls und Projektwerkzeuge erreichen; verlässt jemand die Firma, deaktivieren Sie ein Konto, statt zehn zu vergessen. Verschlüsselung zwischen den Diensten: Die Bausteine reden nicht offen miteinander, sondern über gegenseitig geprüfte, verschlüsselte Verbindungen, wer ins Netz kommt, kann nicht einfach mitlesen. Ihre Daten bleiben hier: Logs, Backups und Inhalte verlassen den von Ihnen gewählten Rechtsraum nicht, kein CLOUD Act, kein Kleingedrucktes. Und es läuft auch ohne Internet: Die Plattform kann aus einer eigenen, internen Quelle laufen und funktioniert weiter, wenn die Leitung nach aussen gekappt wird, für sensible Branchen keine Spielerei, sondern Vorschrift.

Im Alltag fühlt es sich an wie immer: ein Browser, ein Login, Dokumente, Chat, Calls. Der Unterschied ist, dass niemand von aussen den Knopf hat.

Wo es anfängt

Niemand reisst morgen alles raus. Ein Ausstieg beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Welche Microsoft-Dienste nutzen Sie wirklich, und welche lassen sich am leichtesten ablösen? Meist sind das Dateiablage und Videocalls, lange bevor jemand Windows anfasst.

Khan hatte keine Wahl mehr, als der Knopf gedrückt wurde. Sie haben sie, solange Sie sie jetzt treffen. Wollen Sie wissen, womit ein Ausstieg bei Ihnen konkret beginnt, reden wir darüber.

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